Unsere Kirche in Knielingen
Weithin sichtbar steht die evangelische Kirche Knielingens auf einem Vorsprung des Hochufers. Mit Bedacht haben die Erbauer diese Stelle gewählt: hier wurde die Christianisierung der Region deutlich gemacht. Natürlich nicht erst mit dieser Kirche, auch wenn sie mit dem 1480 errichteten Turm und dem 7 Jahre davor begonnenen Chorbau das älteste Kirchengebäude im Stadtgebiet ist. Gewidmet war sie dem Heiligen Kreuz, dieser Name verrät den Fachleuten, dass das früheste vermutlich hölzerne Kirchlein hier im 7. Jahrhundert im Zuge der Missionierung des heidnischen Landes errichtet wurde.
Seit über 500 Jahren unverrückt an dieser Stelle, hat die spätgotische Kirche den Stürmen der gesellschaftlichen Veränderungen stand gehalten. Die kunstvollen Skulpturen des Altars (heute im Badischen Landesmuseum) wurden während oder kurz nach den Bauernkriegen verunstaltet und dann auf dem Dachboden gelagert, denn 1556 führte der Markgraf die Reformation ein – wessen Gebiet, dessen Religion – und aus der katholischen wurde eine evangelische Kirche. 1689 fackelten die französischen Truppen Dorf und Kirche ab. Nur der Turm und der Chor hielten den Flammen stand. Bis 1703 ein neues Langhaus eingefügt werden konnte, musste der Gottesdienst in der Zehntscheuer stattfinden. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Bevölkerung so stark an, dass das Langhaus abgerissen und 1860 durch ein breiteres mit einer hölzernen Empore ersetzt wurde. Damit erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen.
Im 20. Jahrhundert fielen die Glocken den beiden Weltkriegen zum Opfer: im 1. Weltkrieg wurden die vier Bronzeglocken eingeschmolzen, 1920 kamen vier neue Glocken in den Turm, von denen die drei größten 1942 wieder abgeliefert werden mussten.
Auch das Innere zeugt von der langen Geschichte Knielingens.
Der Chor
Im Chor hatte der 2. Weltkrieg für Zerstörung gesorgt. Als im Jahr 1956 der Innenraum neu gestaltet werden sollte, war die Überraschung groß: eine Wandbemalung von 1724 kam ans Tageslicht.
Figuren und Szenen in einem spätmittelalterlichen Stil zeigen Moses mit den Gesetzestafeln sowie die Evangelisten Markus, begleitet vom Löwen, und Lukas mit einem Stier. Der Apostel Paulus führt das Schwert des Geistes. Über ihm erhebt Abraham sein Schwert, um seinen Sohn Isaak zu opfern. Daneben träumt Jakob von der Jakobsleiter, die von der Erde zum Himmel führt. Ein solches Bildnis ist im Südwesten nicht häufig vertreten.
Die Inschrift gibt an, dass Martin Schlindwein 1724 dies zur Ehre Gottes hat machen lassen. Wie kommt ein Wirt und Metzgermeister dazu, diese Ausmalung zu stiften? Schlindwein war ein wohlhabender Bürger, nicht nur Wirt – ein angesehener Stand – des Gasthauses Adler, sondern auch Besitzer einer Ölmühle und Metzgermeister. Sein Grundstück war so groß, dass es von der Saarland- bis zur Dreikönigstraße reichte. Er saß im Gemeinderat und war Angehöriger des Gerichts. Sein Leben war jedoch überschattet durch den frühen Tod seiner ersten Ehefrau und der meisten seiner elf Kinder. Nur zwei haben das Kleinkindalter überlebt. So könnte Schicksalsergebenheit das Motiv für seine Stiftung gewesen sein. Vier Jahre nach der Ausmalung starb auch er mit 49 Jahren. Die Gläubigen des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten sich aber bereits an den ihnen altertümlich erscheinenden Bildinhalten sattgesehen und ließen die Bilder übertünchen. Der Geist der Aufklärung stellte nun die Eigenverantwortung für das Schicksal in den Vordergrund.
Im 20. Jahrhundert nun war man stolz auf den Fund und ließ die Bemalung restaurieren. Gleichzeitig hielt die Moderne Einzug in den gotischen Chorraum. Die Kirchenfenster wurden nach Entwürfen des Karlsruher Künstlers Klaus Arnold neu gestaltet. Zwei seiner modernen Glasbilder sind abstrakt in warmen Farbtönen gestaltet, die mittleren drei haben Weihnachten, Ostern und Pfingsten zum Thema. Das große mittlere Fenster zeigt den auferstandenen Jesus, der in Farbflächen und Glasmalereitechnik erstrahlt. Klaus Arnold wurde später Professor und Rektor an der Kunstakademie Karlsruhe. Die Ausführung der Glasfenster erfolgte durch die Werkstatt Großkopf.
Zurück auf der linken Chorseite befindet sich der Grabstein zweier Kinder von Zanth, Man kann davon ausgehen, dass nach der Übertünchung der Wand der Stein hierhin versetzt worden war.
Walter von Zandt war badischer Oberamtmann zu Mühlburg. Bis etwa 1700 wurden angesehene Bürger der Gemeinde oder Adlige in der Kirche, nicht auf dem Friedhof bestattet.
Die Wappen der Eltern befinden sich oben auf dem Grabstein. Darunter die beiden Kinder, nach dem Brauch der damaligen Zeit vollständig gewickelt. Das Sargtuch wird links und rechts von Engeln getragen.
Die Inschrift heißt:
Im Ja(h)r Christi 1588 den 9. Decem(ber) ist des
Edlen und vesten Walters von Zanth junges
Töchterlin Königundis Jacobe 2 Stundt nach
ihrer geburt in Gott seliglich entschlaffe(n).
Und In Anno 1589 den (Datum fehlt) hatt
auch Gott sein Jungen Sohn deße(n) nam im
buoch der Auserwehlten Christuo eingeschriben
In der geburt abgefordert wölche der
Allmechtige durch sein Krafft in Jesu Christo
zum Ewigen leben erwecken wölle Amen.
Das Epitaph daneben führt uns noch weiter in die Vergangenheit. Lassen wir den dargestellten Knielinger Schultheißen selbst sprechen:
Darf ich mich vorstellen?
Mein Name ist Bernhard Metz, Schultheiß des Markgrafen im Flecken Knielingen.
Wie Sie an meiner Kleidung erkennen können, bin ich ein Herr aus der Renaissance.
38 Jahre habe ich meinem Fürsten treulich gedient und gleichzeitig das Wohl des Dorfes im Auge gehabt. So wurde nach meinem Tod im Jahr 1581 mir zu Ehren dieses Epitaph in der Kirche aufgestellt.
Heute würde man sagen, ich war ein Multitalent. Neben meiner Tätigkeit als Schultheiß, also die Anordnungen des Markgrafen durchzusetzen und die Gemeinde Knielingen zu verwalten, war ich auch markgräflicher Forstmeister auf der Hardt, Fischmeister und zuständig für die Pirschjagden der Herrschaft. Auch war ich Verwalter des aufgehobenen Klosters Gottesaue und Mitglied des Landtages der Unteren Markgrafschaft. Wenn der Rhein mal wieder seinen Lauf verändert hatte und es Streit gab mit der Pfalz um die Äcker und Wiesen, schlichtete ich und setzte neue Verträge auf.
Vielleicht haben Sie schon einmal den Karlsruher Landgraben besichtigt? Ich war der Bauleiter. Meine größte Stunde kam, als nach einem schweren Einbruch des Rheins bei Daxlanden alle Häuser Knielingens im Tiefgestade von der Flut zerstört wurden. Beide Markgrafen von Durlach und Baden-Baden übertrugen mir die Gesamtleitung eines neuen Deichbaus. Bis zur Beendigung der wichtigsten Maßnahmen ließ ich mich jeden Tag zur Baustelle fahren, weil ich durch eine schwere Erkrankung nicht mehr gehen konnte. Markgraf Karl II. ließ mir seinen eigenen Stuhl zum Deich bringen, von dem aus ich den Bau leitete und überwachte.
Zum Dank hat er mich und meine Nachkommen für immer von allen Steuer-, Abgaben- und Fronpflichten befreit.
Quelle: Marliese Fichter
Seit über 500 Jahren unverrückt an dieser Stelle, hat die spätgotische Kirche den Stürmen der gesellschaftlichen Veränderungen stand gehalten. Die kunstvollen Skulpturen des Altars (heute im Badischen Landesmuseum) wurden während oder kurz nach den Bauernkriegen verunstaltet und dann auf dem Dachboden gelagert, denn 1556 führte der Markgraf die Reformation ein – wessen Gebiet, dessen Religion – und aus der katholischen wurde eine evangelische Kirche. 1689 fackelten die französischen Truppen Dorf und Kirche ab. Nur der Turm und der Chor hielten den Flammen stand. Bis 1703 ein neues Langhaus eingefügt werden konnte, musste der Gottesdienst in der Zehntscheuer stattfinden. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Bevölkerung so stark an, dass das Langhaus abgerissen und 1860 durch ein breiteres mit einer hölzernen Empore ersetzt wurde. Damit erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen.
Im 20. Jahrhundert fielen die Glocken den beiden Weltkriegen zum Opfer: im 1. Weltkrieg wurden die vier Bronzeglocken eingeschmolzen, 1920 kamen vier neue Glocken in den Turm, von denen die drei größten 1942 wieder abgeliefert werden mussten.
Auch das Innere zeugt von der langen Geschichte Knielingens.
Der Chor
Im Chor hatte der 2. Weltkrieg für Zerstörung gesorgt. Als im Jahr 1956 der Innenraum neu gestaltet werden sollte, war die Überraschung groß: eine Wandbemalung von 1724 kam ans Tageslicht.
Figuren und Szenen in einem spätmittelalterlichen Stil zeigen Moses mit den Gesetzestafeln sowie die Evangelisten Markus, begleitet vom Löwen, und Lukas mit einem Stier. Der Apostel Paulus führt das Schwert des Geistes. Über ihm erhebt Abraham sein Schwert, um seinen Sohn Isaak zu opfern. Daneben träumt Jakob von der Jakobsleiter, die von der Erde zum Himmel führt. Ein solches Bildnis ist im Südwesten nicht häufig vertreten.
Die Inschrift gibt an, dass Martin Schlindwein 1724 dies zur Ehre Gottes hat machen lassen. Wie kommt ein Wirt und Metzgermeister dazu, diese Ausmalung zu stiften? Schlindwein war ein wohlhabender Bürger, nicht nur Wirt – ein angesehener Stand – des Gasthauses Adler, sondern auch Besitzer einer Ölmühle und Metzgermeister. Sein Grundstück war so groß, dass es von der Saarland- bis zur Dreikönigstraße reichte. Er saß im Gemeinderat und war Angehöriger des Gerichts. Sein Leben war jedoch überschattet durch den frühen Tod seiner ersten Ehefrau und der meisten seiner elf Kinder. Nur zwei haben das Kleinkindalter überlebt. So könnte Schicksalsergebenheit das Motiv für seine Stiftung gewesen sein. Vier Jahre nach der Ausmalung starb auch er mit 49 Jahren. Die Gläubigen des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten sich aber bereits an den ihnen altertümlich erscheinenden Bildinhalten sattgesehen und ließen die Bilder übertünchen. Der Geist der Aufklärung stellte nun die Eigenverantwortung für das Schicksal in den Vordergrund.
Im 20. Jahrhundert nun war man stolz auf den Fund und ließ die Bemalung restaurieren. Gleichzeitig hielt die Moderne Einzug in den gotischen Chorraum. Die Kirchenfenster wurden nach Entwürfen des Karlsruher Künstlers Klaus Arnold neu gestaltet. Zwei seiner modernen Glasbilder sind abstrakt in warmen Farbtönen gestaltet, die mittleren drei haben Weihnachten, Ostern und Pfingsten zum Thema. Das große mittlere Fenster zeigt den auferstandenen Jesus, der in Farbflächen und Glasmalereitechnik erstrahlt. Klaus Arnold wurde später Professor und Rektor an der Kunstakademie Karlsruhe. Die Ausführung der Glasfenster erfolgte durch die Werkstatt Großkopf.
Zurück auf der linken Chorseite befindet sich der Grabstein zweier Kinder von Zanth, Man kann davon ausgehen, dass nach der Übertünchung der Wand der Stein hierhin versetzt worden war.
Walter von Zandt war badischer Oberamtmann zu Mühlburg. Bis etwa 1700 wurden angesehene Bürger der Gemeinde oder Adlige in der Kirche, nicht auf dem Friedhof bestattet.
Die Wappen der Eltern befinden sich oben auf dem Grabstein. Darunter die beiden Kinder, nach dem Brauch der damaligen Zeit vollständig gewickelt. Das Sargtuch wird links und rechts von Engeln getragen.
Die Inschrift heißt:
Im Ja(h)r Christi 1588 den 9. Decem(ber) ist des
Edlen und vesten Walters von Zanth junges
Töchterlin Königundis Jacobe 2 Stundt nach
ihrer geburt in Gott seliglich entschlaffe(n).
Und In Anno 1589 den (Datum fehlt) hatt
auch Gott sein Jungen Sohn deße(n) nam im
buoch der Auserwehlten Christuo eingeschriben
In der geburt abgefordert wölche der
Allmechtige durch sein Krafft in Jesu Christo
zum Ewigen leben erwecken wölle Amen.
Das Epitaph daneben führt uns noch weiter in die Vergangenheit. Lassen wir den dargestellten Knielinger Schultheißen selbst sprechen:
Darf ich mich vorstellen?
Mein Name ist Bernhard Metz, Schultheiß des Markgrafen im Flecken Knielingen.
Wie Sie an meiner Kleidung erkennen können, bin ich ein Herr aus der Renaissance.
38 Jahre habe ich meinem Fürsten treulich gedient und gleichzeitig das Wohl des Dorfes im Auge gehabt. So wurde nach meinem Tod im Jahr 1581 mir zu Ehren dieses Epitaph in der Kirche aufgestellt.
Heute würde man sagen, ich war ein Multitalent. Neben meiner Tätigkeit als Schultheiß, also die Anordnungen des Markgrafen durchzusetzen und die Gemeinde Knielingen zu verwalten, war ich auch markgräflicher Forstmeister auf der Hardt, Fischmeister und zuständig für die Pirschjagden der Herrschaft. Auch war ich Verwalter des aufgehobenen Klosters Gottesaue und Mitglied des Landtages der Unteren Markgrafschaft. Wenn der Rhein mal wieder seinen Lauf verändert hatte und es Streit gab mit der Pfalz um die Äcker und Wiesen, schlichtete ich und setzte neue Verträge auf.
Vielleicht haben Sie schon einmal den Karlsruher Landgraben besichtigt? Ich war der Bauleiter. Meine größte Stunde kam, als nach einem schweren Einbruch des Rheins bei Daxlanden alle Häuser Knielingens im Tiefgestade von der Flut zerstört wurden. Beide Markgrafen von Durlach und Baden-Baden übertrugen mir die Gesamtleitung eines neuen Deichbaus. Bis zur Beendigung der wichtigsten Maßnahmen ließ ich mich jeden Tag zur Baustelle fahren, weil ich durch eine schwere Erkrankung nicht mehr gehen konnte. Markgraf Karl II. ließ mir seinen eigenen Stuhl zum Deich bringen, von dem aus ich den Bau leitete und überwachte.
Zum Dank hat er mich und meine Nachkommen für immer von allen Steuer-, Abgaben- und Fronpflichten befreit.
Quelle: Marliese Fichter





